Jüdisches Leben in Straubing – Vorurteile bekämpfen durch Begegnung
Die Schülerinnen und Schüler der Klassen 9a und 10 Z besuchten am Montag, den 23.02.2026, die Synagoge in Straubing.
Nach einer sehr herzlichen Begrüßung durch Frau Zisler, der Vorsitzenden der israelitischen Kultusgemeinde in Straubing, und Herrn von Winning, ehemaliger evangelischer Pfarrer und sehr engagiert in der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, begaben sich die Jungen und Mädchen in das 1907 errichtete Baudenkmal und Zentrum des jüdischen Lebens in Niederbayern.
Frau Zisler nahm sie zunächst mit auf eine Reise durch die wechselvolle und häufig grausame Geschichte des Lebens der jüdischen Menschen in Straubing. Sie erzählte von ihrem Vater, der die Nazizeit nur mit knapper Not und drastisch unterernährt überstanden hatte, ebenso wie von den jüdischen Straubingern, die diese Zeit nicht überlebt hatten. Anhand der Frage eines Schülers, wie das Vorurteil des geizigen Juden entstanden sei, wies Frau Zisler sehr eindrücklich darauf hin, wie dumm Vorurteile allgemein sind. Sie selbst sei nicht geiziger als andere Menschen, eher im Gegenteil. Sie sei ein in Straubing geborener Mensch wie ihre Besucher auch, mit allen ihren Stärken und Schwächen. Herr von Winning konnte zu den Ursprüngen dieses und anderer Vorurteile noch viele weitere interessante Tatsachen beisteuern, die den Schülerinnen und Schülern die Dynamik der Entstehung von Vorurteilen und deren Irrsinn gut veranschaulichten.
Sehr spannend führte uns Frau Zisler auch vor Augen, wie es dazu kam, dass die Synagoge in der Progromnacht 1938 zwar grausam geschändet, aber nicht durch Brand zerstört worden war. Verantwortlich dafür war wohl die zentrale Lage im Stadtzentrum und der hohe Baumbestand um die Synagoge, der diese vor der Zerstörung gerettet hatte. Eindrucksvoll waren auch die Thorarollen, die in der Synagoge aufbewahrt sind und deren Älteste, ähnlich wie die Synagoge selbst, nur durch Zufall und dank des beherzten Eingreifens eines Feuerwehrkommandanten der Zerstörung 1938 entging.
Frau Zisler betonte immer wieder die Gemeinsamkeiten der verschiedenen Religionen besonders auch am Beispiel der jeweiligen Feiertage. So weist zum Beispiel das Fest Chanukka durchaus Ähnlichkeiten zum christlichen Weihnachtsfest auf und der Brauch des Fastens ist Juden, Christen und Muslimen gleichermaßen vertraut.
Unsere Schule wollte mit diesem Besuch in der Straubinger Synagoge aktiv gegen Vorurteile bei unseren Schülern vorgehen, die durch Unwissenheit entstehen. Hoffen wir, dass wir damit Erfolg hatten.
